Mittwoch, 1. März 2017

Der Donald in mir




Wenn ich morgens die Zeitung aufschlage (jep, ich hab noch eine aus Papier) und meinen Tee schlürfe, kommt es mir manchmal vor, als wären die Themen immer die gleichen: VW hat sich verzockt, die USA haben sich verwählt und die Briten haben sich verzettelt.
Für mich ist der Brexit keine Schlagzeile, sondern der Ausdruck einer Gesellschaft, die glaubt, dass früher alles besser war. Dass man die Uhr zurückstellen und so die aktuellen Probleme lösen kann. Das ist kein britisches Phänomen. Es gibt Menschen in meinem Umfeld, die den Brexit leben. Sie beklagen sich über den Job im Allgemeinen, die Merkel im Besonderen und den Osterhasen ganz generell und blicken zurück auf eine Zeit, in der alles besser war. 


Ist klar.


Derzeit ist neben den Briten Donald Trump das große Thema. Ob ihr’s glaubt oder nicht, ich habe einen Trump als Nachbarn, mit dem ich mich jeden Tag herumärgere. Und dann der Typ gegenüber, der parkt ständig vor meiner Garage! Wie oft habe ich mir vorgestellt, dem einen Teller Erbsensuppe in den Briefkasten zu kippen. Oder Heringsdip. Oder … na ja, ihr wisst schon.
 

Auf der Autobahn fahren jede Menge Trumps, Putins und Erdogans, die überzeugt sind, die Straße wäre einzig für sie gebaut worden. Über diese Alltags-Donalds verlieren die Zeitungen keine einzige lausige Zeile. Auf der anderen Seite ist das vielleicht auch gut so, denn manchmal fahre ich selbst wie eine gesengte Sau. Blaffe meinen Schatz an und bin pampig zu dem armen Schwein, das bei Vodafone in der Hotline arbeitet und das Pech hatte, mich an die Strippe zu bekommen.
Aber dann gibt es diesen Moment, in dem ich innehalte, eine Tasse Tee trinke und mir meinen inneren Donald ansehe. Das ist nicht schön, muss aber sein, denn zur Weiterentwicklung gehört, dass man sich ab und zu sein Pigface ansieht. 


Ich bin bestimmt keine Heilige, manchmal bin ich sogar ein richtiger Arsch. Aber wenn ich Mist gebaut habe, versuche ich, es beim nächsten Mal besser zu machen. Ich glaube an das Gute im Menschen, darum haben meine Geschichten auch immer ein Happy End. Weil sich Menschen weiterentwickeln. Aus Fehlern lernen. Na ja, zumindest soll das vorkommen, habe ich mir sagen lassen. Aber unter uns: Ich glaube fest daran, dass wir stark sind – stärker, als uns das manchmal zugesprochen wird. Als Menschen, aber auch als Gemeinschaft.
 

Auch wenn mir die Schlagzeilen manchmal das Gefühl geben, klein und hilflos zu sein, so bin ich es nicht im täglichen Leben. Ich kann vielleicht nicht die Welt retten, aber ich kann mein Leben so leben, dass ich anderen nicht auf den Keks gehe. An guten Tagen schaffe ich es sogar, anderen dabei zu helfen, ihr Leben zu verbessern. Das Kunststück gelingt mir nicht immer, Scheitern gehört zum Wachstum. Aber deswegen höre ich nicht auf, es zu versuchen. Jeder Tag hält seine eigenen Herausforderungen für mich bereit und es liegt an mir, ob ich ein Donald bin oder die beste Version, die ich sein kann.

Nachdem ich das losgeworden bin werde ich erst mal (ihr ahnt es vielleicht schon) eine Tasse Tee trinken und versuche nicht darüber nachzudenken, UHU ins Türschloss meines Nachbarn zu spritzen. Was soll ich sagen, dieser Depp steht schon wieder vor meiner Garage. *kreisch*


In diesem Sinn, seid brav und nehmt euch kein Beispiel an mir ,-)


Eure Christine (aka Jane)