Montag, 19. März 2012

Blanche, Beliar & Frau Koslowski


Wer kennt das nicht. Nach einem anstrengenden Arbeitstag kommst du in deine Wohnung, willst nur noch deine Ruhe und dann sitzt in deiner Küche eine echte Nervensäge. Nicht der aufdringliche Nachbar von Gegenüber oder die liebe Schwiegermutti, sondern ein Abgesandter der Hölle. Und ein verdammt gut aussehender noch dazu. Der eröffnet dir im Plauderton, dass dein bisheriges Leben vorbei ist und du einen offenen Höllenjob zu erledigen hast. Buchstäblich. Was übersetzt so viel heißt wie Überstunden, denn die Auftraggeberseite scheint in diesem Punkt wenig flexibel zu sein.
Selbstverständlich muss man sich darüber ausgelassen freuen, so wie Blanche, meine Heldin. Oder auch nicht.

Beliar, der Erzdämon, der gemütlich an ihrem Küchentisch sitzt, kann darüber nur lächeln. Am liebsten würde Blanche diese Angelegenheit mit ihrer SIG Sauer lösen, so wie sie es gelernt hat: ein Schuss in den Kopf, zwei ins Herz. Doch ganz so einfach geht es in diesem Fall nicht. Der Typ in ihrer Küche versteht keinen Spaß und er hat nicht bloß irgendwelche Hollywoodtricks drauf, sondern besitzt wahre Macht.
Wie wird sich Blanche, die als Waise eher weniger behütet bei einem Profikiller aufgewachsen ist, aus der Affäre ziehen?
Gar nicht. Denn wer Blanche nur halbwegs kennt weiß, dass sie das durchzieht, selbst wenn es sie das letzte falsche Lächeln kostet.
Aber das ist nur die halbe Geschichte, denn Beliar sieht trotz seiner Narben nicht nur höllisch gut aus, sondern hat auch noch eine ganz andere geheimnisvollere Seite. Er berührt Blanches zerbrechliche Seele, weckt in ihr Gefühle, die längst abgehakt waren. Doch Emotionen sind nicht ihr Ding. Das Leben hat seine Krallen in sie geschlagen und diese Wunden konnte auch nicht die Zeit heilen. Liebe ist für sie ein Fremdwort und Gefühle braucht ein Auftragskiller so dringend wie Eskimos Kühlschränke. 
Nachdem man ihr Wayne genommen hat, ihren Mentor, der einzige Mensch der ihr wichtig war, schreit das nach Geduld, guter Ausrüstung und ausreichend Mantelgeschossen. Blanche glaubt mit allem fertig zu werden. Dem Schmerz, Verlust, sogar mit dem Teufel.
Allerdings hat sie nicht mit Beliar gerechnet.
Auch für den Dämon sind Gefühle gefährlich, denn am Ende muss er Blanche ausliefern und in die Hölle zurückkehren. Was beide zusammenschweißt ist der Auftrag, jedenfalls für eine gewisse Zeit.

Was mich an dieser Situation gereizt hat ist, dass sich ausgerechnet ein Diener des Bösen vornimmt, die Heldin, eine skrupellose Killerin, zurück auf den rechten Weg zu bringen – zurück ins Leben. Als er Blanche begegnet merkt Beliar schnell, dass sie wie er ist: hungrig, zäh, verzweifelt. Seine Liebe zu ihr ist der Schlüssel, doch Blanche traut niemandem. Schon gar nicht einem Dämon, der auf Saetans Abschussliste steht. Gleich unter ihr.

Das Problem kennen wir doch alle. Also, ohne den Teil mit der Hölle, dem Töten und den Fürsten der Finsternis auf’s Kreuz legen. Von diesen Punkten abgesehen hätte vermutlich jeder Schwierigkeiten fremden Männern zu vertrauen, die uneingeladen in unserer Küche aufkreuzen und denen urplötzlich Flügel wachsen. Ich meine, ich würde wahrscheinlich einen Schreikrampf bekommen, einen Exorzisten anrufen und mich unterm Bett verkriechen. In dieser Reihenfolge. Glücklicherweise ist Blanche abgebrühter. Nicht umsonst hat sie sich all die Jahre an den eigenen Haaren aus dem Dreck ihrer Kindheit gezogen und neu definiert. Wer außer ihr könnte Saetan derart auf die Palme bringen, bis ihm vor Wut Rauch aus den Ohren quillt? Wer außer ihr würde es fertig bringen ihm seine mächtigsten Dämonen streitig zu machen und ihm anschließend den Absatz dahin zu rammen, wo es wehtut? Also, mir fällt da niemand ein – außer vielleicht meine Nachbarin, Frau Koslowski, die alte Schachtel. Aber die ist sechsundachtzig, stocktaub und weiß über Waffen so viel, wie ein Ameisenbär von Strickmustern.

Wie kann eine solche Geschichte weitergehen? Natürlich hochexplosiv. Blanche muss kämpfen. Um ihr Leben, die Liebe ihres Lebens – und um eine Heckler & Koch-Lieferung, Kaliber 9 mm. Der übliche Auftragsmörderalltag.
Im zweiten Band, der im Herbst diesen Jahres beim Sieben Verlag erscheint, geht es brandgefährlich weiter. Allen Paris Liebhabern möchte ich an dieser Stelle empfehlen noch schnell eine Stadtrundfahrt zu buchen. Denn wenn Blanche mit der dem französischen Kapitol fertig ist … nun ja. Lasst es mich so ausdrücken: Das wird kein schöner Anblick, so viel kann ich verraten.
Macht euch also auf einiges gefasst, denn wenn ihr Blanche erstmal kennenlernt gibt es kein zurück.

Zur Leseprobe: klick


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen